#bioentdecken Tipp 35

Wissenswertes zum Thema (Bio-)Milch und alternativen Haltungsformen

Heutzutage ist in jedem Kühlregal im Lebensmitteleinzelhandel eine beeindruckende Vielfalt unterschiedlicher Milch und Milcherzeugnisse zu finden. Magermilch, Fettarme Milch oder Vollmilch? Frischmilch, längerfrische Milch, H-Milch? Weide-, Heu- oder Bio-Milch? Bei der Trinkmilch haben Verbraucher*innen die Qual der Wahl. Man unterscheidet in der Milchverarbeitung zwischen verschiedenen Fettgehaltsstufen sowie unterschiedlich langer Haltbarkeit. Daneben gibt es unterschiedliche Formen der Milchviehhaltung.

Milchverarbeitung

Milch wird pasteurisiert, d. h. wärmebehandelt um den Gesamtkeimgehalt auf ein Minimum zu reduzieren und die Haltbarkeit zu verlängern. Je nachdem wie die Milch behandelt wird, unterscheidet man verschiedene Milchsorten.

  • Rohmilch entspricht einer unbehandelten frischen Milch. Da sie (noch) nicht wärmebehandelt oder gereinigt wurde, ist die Keimbelastung der Milch höher. Schwangere, Stillende, Kinder, alte und kranke Menschen sollten Rohmilch daher vor dem Trinken abkochen.
  • Vorzugsmilch ist eine filtrierte Rohmilch. Diese muss innerhalb von 96 Stunden nach dem Melken verzehrt werden.
  • Traditionelle Frischmilch ist pasteurisierte Milch. Das heißt, dass die Rohmilch für ca. 30 Sekunden bei 72 bis 75 °C erhitzt wird. Das macht sie gekühlt sieben bis zehn Tage haltbar.
  • Auch sogenannte ESL-Milch (Extended Shelf Life) ist Frischmilch, die durch ein spezielles Erhitzungs- und Abfüllverfahren (1 bis 4 Sek. direkt oder indirekt auf 85 °C bis 127 °C erhitzt) im Kühlschrank bis 21 Tage haltbar ist.
  • H-Milch steht für haltbare Milch, die durch Ultrahocherhitzung (UHT) bis zu 150 °C haltbar gemacht wird. H-Milch ist ungeöffnet für ca. drei bis sechs Monaten ohne Kühlung haltbar. Geöffnete Milchpackungen gehören in den Kühlschrank und sind innerhalb von zwei bis drei Tagen aufzubrauchen.

Bis auf die unbehandelte Roh- und Vorzugsmilch werden alle Milchsorten in verschiedenen Fettstufen angeboten. Um den Fettgehalt richtig einzustellen, ist der so genannte Standardisierungsvorgang notwendig. Dabei wird die Milch in Rahm und Magermilch aufgetrennt und entsprechend des gewünschten Fettgehaltes neu gemischt. Damit sich keine Rahmschicht absetzt, wird Milch in der Regel homogenisiert, d. h. mit hohem Druck durch feine Düsen gepresst. Bio-Milch findet man auch als nicht-homogenisierte Milch im Handel.

Milchviehhaltung

2019 konsumierte eine Person in Deutschland im Durchschnitt 49,5 Liter Trinkmilch. Obwohl der Trinkmilchverbrauch pro Kopf im letzten Jahrzehnt um knapp 50% Prozent gesunken ist, ist die Herstellung von Milchprodukten, wie Butter und Käse im Vergleich zu den vergangenen Jahren angestiegen. Insgesamt entsteht daher ein Milchverbrauch von ca. 388 Litern Milch pro Kopf und Jahr[1].

Damit Menschen Milch trinken können, werden Kühe zweimal täglich gemolken. Im Durchschnitt gibt eine Kuh 22 Liter Milch am Tag. Milch fließt aber nur, wenn ein Kälbchen geboren wurde. Deshalb muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Neun Monate lang trägt sie ihr Kalb aus, von dem sie oftmals noch am Tag der Geburt getrennt wird. Das Kalb wird in den ersten Wochen in einer Einzelhaltung vom Menschen ernährt, während die Kuh für den menschlichen Konsum gemolken wird.

Mit der Milch aus ökologischer Erzeugung und der muttergebundenen Kälberaufzucht gibt es alternative Formen einer möglichst artgerechten Milchviehhaltung.

 

  • Ökomilchviehhaltung: Bio-Kühen steht eine Stallfläche von mindestens 6 qm, die mit Stroh eingestreut ist, zur Verfügung. Ein Bio-Stall muss zumindest einen Laufhof im Freien oder einen Zugang zur Weide anbieten. Die sogenannte Anbindehaltung ist nur noch in Ausnahmefällen für Kleinbetriebe (20 bis 30 Kühe) erlaubt. Laut EU-Öko-Richtlinien sind maximal zwei Tiere pro Hektar Fläche erlaubt. Der größte Teil des Energiebedarfs wird über Grundfutter wie Gras, Heu und Silage abgedeckt, der Kraftfutteranteil sollte möglichst niedrig ausfallen. Aus diesem Grund weist Bio-Milch einen ernährungsphysiologischen Vorteil auf: Sie enthält wegen des ganzjährig höheren Anteils an Grünfutter höhere Gehalte an essentiellen Omega3-Fettsäuren.
  • Muttergebundene Kälberaufzucht: Auch in der Bio-Milchviehhaltung ist es erlaubt, Kalb und Kuh nach der Geburt zu trennen. Aber immer mehr Bio-Milchviehbetriebe machen es anders, um den Tieren ein artgerechtes Verhalten zu ermöglichen: Bei der kuhgebundenen Kälberaufzucht haben Kuh und Kalb Zeit zu zweit. Das Kalb bleibt in der Regel innerhalb eines Zeitraums von drei bis sieben Monaten bei seiner Mutterkuh. Diese Haltungsform wirkt sich positiv auf die Bildung eines natürlichen Herdenverbandes und das Sozialverhalten aus. Die abgegebene Milchmenge einer Kuh, die ein Kalb säugt, nimmt dabei nicht ab. Eine Liste mit Höfen, die diese Haltungsform betreiben, bietet zum Beispiel die Welttierschutzgesellschaft unter kuhplusdu.de
  • Daneben gibt es auch noch Heumilch und Weidemilch. Beide Sorten versprechen ein artgerechteres Leben der Kühe, entsprechen aber nicht dem Bio-Standard. Seit 2016 ist Heumilch durch das EU-Gütezeichen geschützt und bedeutet eine silofreie und gentechnikfreie Fütterung. Mindestens 75 Prozent des täglichen Bedarfs der Kühe ist durch so genanntes Raufutter zu decken. Der Begriff Weidemilch ist dagegen nicht geschützt. Die Tiere dürfen an mindestens 120 Tagen im Jahr für sechs Stunden auf die Weide. Der Weidegang ist aber nicht gesetzlich festgelegt.

Weiterführende Informationen finden sich in der Milch-Broschüre des Ökomarkt e.V.

Die Tippreihe #bioentdecken ist Teil des Projektes „Bio gemeinsam entdecken“ des Ökomarkt Vereins. Das Projekt ist ein vielfältiges Bildungsangebot mit Aktionsständen und Workshops, das junge Erwachsene in Hamburg und Schleswig-Holstein über den ökologischen Landbau sowie zu einer ressourcenschonenden Ernährung mit Bio-Produkten. informiert. Unter dem #bioentdecken gibt der Ökomarkt Verein in Zeiten der Corona-Krise unter www.oekomarkt-hamburg.de wöchentlich alltagsnahe Tipps zu einem nachhaltigen Lebens- und Ernährungsstil mit Bio-Produkten.

Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) sowie aus Erträgen der Lotterie BINGO! Die Umweltlotterie.

Weitere Informationen zum ökologischen Landbau liefert das Informationsportal www.oekolandbau.de

 

[1] Laut: https://milchindustrie.de/wp-content/uploads/2020/04/Milchwirtschaft-auf-einen-Blick_ZMB_2019-20_Homepage.pdf und https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung-fischerei/versorgungsbilanzen/milch-und-milcherzeugnisse/